Kronacher Kunstverein e. V.

Literarische Matinée im Kronacher Kunstverein

Termine 2020

Jeweils sonntags 11:00 - 12:30 Uhr

18. Oktober 2020
Gerhard Goldmann - Autorenlesung: "Deutscher Kaiser und Muslim? Über die Beziehungen Friedrich II. von Hohenstaufen zum Islam"

22. November 2020
Karol J.Hurec liest Matt Beynon Rees: "Mit Blut signiert" - Ein Caravaggio-Roman


 

Seit Juli 2016 findet in der Galerie des Kronacher Kunstvereins, einmal im Monat, an einem Sonntag von 11.00 - 12.30 Uhr, eine literarische Matinée statt. Mitglieder und Freunde des Kronacher Kunstvereins sowie alle an Literatur Interessierte von nah und fern treffen sich seither, um zwanglos Bücher vorzustellen.

„Lesen ist ein einzigartiges, inspirierendes Erlebnis. Wir wollen Menschen die Lust am Lesen vermitteln – gerade denjenigen, die wenig, selten oder gar nicht lesen." Dr. Joerg Pfuhl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lesen

 

Die Literarische Matinee im Kronacher Kunstverein erhebt nicht den Anspruch, kritischer und analytischer als jedweder Kritiker zu sein. Sie lädt im Gegenteil dazu ein, sich zwanglos über Literatur auszutauschen und darüber ins Gespräch zu kommen. Nicht zu übersehen in seiner beeindruckenden Wirkung ist dabei der passende künstlerische Rahmen mit den Werken der gerade zu diesem Zeitpunkt ausstellenden Künstler.

Zu dieser Veranstaltung, die immer kostenlos ist, ergeht an alle interessierten Zuhörer und Buchvorsteller herzlichste Einladung. Bei Interesse für eine Buchvorstellung oder für mehr Informationen bitte Kontakt aufnehmen mit: Krystyna Hurec-Diaczyszyn, E-Mail: hudikry@aol.com

 


 

34.  L I T E R A R I S C H E   M A T I N É E


Der Kronacher Kunstverein e.V. lädt am 20. September 2020 in seine Galerie um 11 Uhr zur nächsten Literarischen Matinée ein. Zur Vorstellung durch Krystyna Hurec-Diaczyszyn kommen die beiden Bücher der deutschen Autorin Juli Zeh „Corpus Delicti: Ein Prozess“ (2009) und „Fragen zu Corpus Delicti“( 2020).

Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, absolvierte die beiden Studiengänge Rechts-wissenschaften und Europa-und Völkerrecht in Passau und Leipzig; 2010 promovierte sie zum Dr. jur. Seit 1996 veröffentlichte Juli Zeh Erzählungen, Romane und Dramen, aber auch Kinder- und Sachbücher; darüberhinaus macht Juli Zeh in Talkshows, Zeitungen und Protestbriefen auf ihre politische Position aufmerksam. Zeitaktuelle und gesellschaftspolitische Fragen stehen in ihren Texten häufig im Vordergrund. Ihr Debütroman „Adler und Engel“ (221) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt worden. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach mit renommierten Literaturpreisen ausgezeichnet und u.a. 2018 auch mit dem Bundesverdienstkreuz.

„Corpus Delicti“ zählt zum Genre der Science-Fiction-Literatur. Der Roman spielt in der Zukunft in einem Überwachungsstaat, der das Ziel verfolgt, seinen Bürgern ein gesundes und langes Leben zu ermöglichen. Zur Erreichung des Ziels kontrolliert der Staat die Lebensführung jedes Einzelnen, eine ungesunde Lebensweise wird bestraft.

„Negative Utopie und Justizdrama, Politthriller und Gesellschaftsstück, handfestes Horror- und hauchzartes Geschwistermärchen“ (Süddeutsche Zeitung).

„Fragen zu Corpus Delicti“, die sich in den zehn Jahren seit Erscheinen des Erfolgsromans den Lesern gestellt haben, beantwortet Juli Zeh ausführlich in dem 2020 erschienenen, unverzichtbaren Begleitbuch.

 



Rückschau

26. Juli 2020
33.  L I T E R A R I S C H E   M A T I N É E
Willkommen in Zamonien



Krystyna Hurec-Diaczyszyn und Julia Stahl


„Wer Appetit auf ein wenig Schauerroman, Kochkunst und Verzweiflung hat, lese das Buch ‚Der Schrecksenmeister: Ein kulinarisches Märchen aus Zamonien von Gofid Letterkerl. Neu erzählt von Hildegunst von Mythenmetz‘.“ Mit diesen Worten stellte Julia Stahl in der ersten Literarischen Matinée nach der Corona Pause den Fantasyroman von Walter Moers vor. In ihren Ausführungen ging sie auf die Vita des Autors ein, der in den vergangenen zwei Jahrzehnten einer der kommerziell erfolgreichsten Schriftsteller Deutschlands war – doch nach wie vor auch ein kleines Mysterium, denn er lebt extrem zurückgezogen und scheut die Öffentlichkeit wie einst JD Salinger oder Patrick Süskind. Der Grund hierfür liegt in seinen früheren Werken.

Moers erhielt Morddrohungen aufgrund seiner älteren Werke: Moers hat nicht nur den „Käpt’n Blaubär“ geschaffen, und das nicht unstrittige - „Kleine Arschloch“, sondern auch die „Adolf“-Reihe, in der er Adolf Hitler persifliert, was ihn in rechtsextremen Kreisen zur Zielscheibe von Anfeindungen gemacht hat.

Hildegund von Mythenmetz, ein Dinosaurier, der Neu-Erzähler des kulinarischen Märchens aus Zamonien, einem Phantasieland, sei, so Frau Stahl, Moers Alter Ego und Schutzschild vor Angriffen von außen. Ursprünglich erzählt wurde das Märchen aber von Gofid Letterkerl, was ein Anagramm für den Schriftsteller Gottfried Keller ist.

Der bekennende Keller-Fan „Von Keller lernen, heißt schreiben lernen“ nahm als Vorlage für seinen „Schrecksenmeister“ die Novelle „Spiegel, das Kätzchen“ aus der 1856 erschienenen Novellensammlung „Die Leute von Seldwyla“. Moers änderte Namen, die dennoch an das Original erinnern: aus Seldwyla wurde Sledwaya, aus Spiegel, der Katze wurde Echo, eine Kratze mit zwei Lebern; der Stadthexenmeister Pineiß wird der Schrecksenmeister Eißpin, der das Fett der Kratze zur Vollendung eines wahnwitzigen Experiments benötigt. Übrigens erinnert die Illustration dieses Bösewichts an Nosferatu, einem Vampir eines Horrorfilms aus der Weimarer Zeit.

Die unglaubliche Freude Walter Moers an Sprache und Literatur zeigt sich auch in den Anagrammen anderer Romanfiguren, die zu erraten den Zuhörern großen Spaß machte: Ojahnn Golgo van Fonteweg (Johann Wolfgang von Goethe), Akud Ödreimer (Eduard Mörike), Dölerich Hirnfidler (Friedrich Hölderlin), Edd van Murch: Edvard Munch und Melodanus Graf Watzogam (Wolfgang Amadeus Mozart).

Interessant waren die beiden Textauszüge von Keller und Moers zur Einführung in die Geschichte im Vergleich. Der Plot ist schnell erzählt: Die Kratze Echo, die kurz vor dem Verhungern ist, schließt mit dem Schrecksenmeister einen Vertrag. Sie bekommt einen Monat lang, im Austausch für ihr Leben, von ihrem gruseligen Vertragspartner die schönste, abenteuerlichste und lehrreichste Zeit ihres Lebens, eine Welt der Genüsse, die beste Unterkunft, absolutes Wohlbefinden, Unterhaltung und Kurzweil, exklusives Wissen. Doch die Frage bleibt und beschäftigt den Leser bis zum überraschenden Schluss: Wird man sich von seinem Leben trennen können, wenn man erfahren hat, wie wunderschön es eigentlich sein kann? Moers entspinnt im Verlauf des Romans zwei Psychogramme: Das des wahnsinnigen Eißpin und das eines dem Todes Geweihten Echo.

Moers‘ Stil ist grotesk, erinnert phasenweise an E.T.A. Hoffmann; er bedient sich schamlos an Schauerliteratur und Komik sowie Schwarzer Romantik. Er benutzt Wortspiele, Anagramme und Anspielungen, stellt die Gepflogenheiten der Sprache und Konventionen der Literatur auf den Kopf und dichtet schamlos um. Er zitiert und pinselt ab, auch durch Typographie verleiht er seinen Absichten Ausdruck und verwendet gerne unterschiedliche Schriftarten für besonders prominente Charaktere.
Julia Stahl gelang es vorzüglich in ihrem souveränen Vortrag, in den mit Witz und Charme lebendig vorgetragenen ausgewählten Textstellen die begeisterte Zuhörerschaft in ihren Bann zu ziehen und zur Lektüre des Buches zu motivieren, denn der Schluss des Romans wurde nicht verraten.



Der Kronacher Kunstverein e.V. lud nach der durch Corona bedingten Pause wieder ein zur Literarischen Matinée am Sonntag, 26.07.2020 um 11:00 Uhr in seine Galerie. Julia Stahl stellte das Buch von Walter Moers „Der Schrecksenmeister: Ein kulinarisches Märchen aus Zamonien von Gofid Letterkerl. Neu erzählt von Hildegunst von Mythenmetz“ vor.

Der Autor und Illustrator Walter Moers ist der geistige Vater von „Käpt’n Blaubär“ und „Kleines Arschloch“. 1957 in Mönchengladbach geboren, hat der Autor weder Kunst studiert noch eine grafische Ausbildung genossen. Dennoch gehört er seit 1985 zu den besten deutschen Comicautoren. Für das Konzept der TV-Sendung „Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn“ erhielt er den renommierten „Adolf-Grimme-Preis“. Mit Werken wie „Die Stadt der träumenden Bücher“ (Lovely Books Leserpreis) etablierte er sich auch als Autor von Romanen und Erzählungen. Die Leser lieben seine Geschichten aus Zamonien, dem Kontinent der Fantasie und des Humors.

Der Fantasy-Roman „Der Schrecksenmeister“ ist der fünfte der insgesamt neun Zamonien-Romane und eine Überarbeitung der Novelle "Spiegel, das Kätzchen" von Gottfried Keller. In Sledwaya, der Stadt, in der »das Gesunde krank und das Kranke gesund« ist, spielt der neue Roman des zamonischen Großschriftstellers Hildegunst von Mythenmetz. Er handelt von der Auseinandersetzung zwischen Echo, dem hochbegabten, katzenartigen Wesen Krätzchen, und Succubius Eißpin, dem furchtbaren Schrecksenmeister Sledwayas, der Faust und Mephisto in einer Person zu verkörpern scheint. Dieser lässt nichts unversucht, um sich mittels der Alchimie zum Herrn über Leben und Tod aufzuschwingen – und dazu braucht er nichts notwendiger als das Fett von Echo, der gezwungen ist, einen teuflischen Vertrag mit Eißpin abzuschließen.

Zentral sind in allen Zamonienbüchern die Wortspiele, Anspielungen und Anagramme, die eine enorme Freude des Autors an Sprache, Literatur und Geschichte dokumentieren. Beim aufmerksamen Lesen findet man immer wieder eine Unmenge von anagrammierten Namen (Gottfried Keller - Gofid Letterkerl) sowie versteckten Text- und Bildzitaten. „Der Schrecksenmeister“ war neun Wochen auf der Bestsellerliste der Zeitschrift „Spiegel“, erreichte dort den vierten Platz und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt, unter anderem ins Englische, Französische, Italienische, Spanische und Koreanische.

Der Kronacher Kunstverein e.V. lud alle interessierten Zuhörer ein, sich mit Julia Stahl auf die vergnügliche Reise nach Zamonien zu begeben.





Februar 2020


„Vaticanum“ und "Codex 632" von J. R. Dos Santos, vorgestellt von Karol J. Hurec

Nachdem die Vorstellung des Romans „Das Einstein Enigma“ von J. R. Dos Santos auf eine überaus positive Resonanz gestoßen war, wurden nun die nächsten sehr gut recherchierten (sämtliche in den Romanen genannten Bücher, Manuskripte und Dokumente gibt es wirklich), informativen und spannenden Romane vorgestellt. Den Geschichtsbüchern zufolge hat ein ungebildeter Seidenweber aus Genua es geschafft, die Spanischen Könige von einem kühnen Plan zu überzeugen: Er wollte gen Westen segeln, um einen neuen Seeweg nach Indien zu finden. Wer sich mit den Details befasst, kann die Ungereimtheiten dieser Theorie kaum ignorieren. Doch weshalb waren sowohl Kolumbus selbst als auch zwei konkurrierende Königshöfe daran interessiert, die wahre Identität des großen Admiralsund Seefahrers um jeden Preis zu verschleiern? Anhand zahlreicher Indizienbeweise und handfester Fakten zeigt der Autor auf, was gegen die offizielle Version der Entdeckung Amerikas spricht und warum dieses Geheimnis seit 500 Jahren so streng gehütet wird (Codex 632). Ist Papst Franziskus das letzte Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche? Die zahlreichen jahrhundertealten Prophezeiungen scheinen sich zu bewahrheiten, als ein Kommando der Terrororganisation „Islamischer Staat“ den Heiligen Vater entführt. Exakt um Mitternacht soll im Internet seine Hinrichtung live zu sehen sein (Vaticanum).

J. R. Dos Santos wurde am 1. April 1964 in Beira, Mosambik, geboren. Er ist als Journalist, Universitätsprofessor und Nachrichtensprecher tätig und wurde 2017zum dritten Mal in Folge mit zum „besten Autor Portugals“ gewählt. Den Leserpreis des Reader’s Digest Magazins erhielt Dos Santos 2018 sogar zum siebten Mal in Folge. „The Wrath of God“ wurde 2009 mit dem Porto Literary Club Award und „The Devil’s Hand“ 2012 vom Portal de Literatura als bester Roman ausgezeichnet. „Codex 632“ und „The Einstein Enigma“ waren 2010 und 2012 für den IMPAC Dublin Literary Award nominiert. Auch für seine journalistischen Tätigkeiten wurde J. R. Dos Santos mehrfach geehrt, unter anderem für seine Reportage „Albania Bunkers“ und für sein Gesamtwerk mit dem Contributor Achievement Award (2000), der im Fernsehjournalismus dem Pulitzer-Preis gleichwertig ist.

 

 


Januar 2020
30.  L I T E R A R I S C H E   M A T I N É E


               

 Biografie „Mascha Kaléko“ von Jutta Rosenkranz, vorgestellt von Peter Steinhäußer

„Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang, Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind. Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind? (…) Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod der anderen muss man leben.“ („Memento“ von Mascha Kaléko) Wer war die Frau, die diese berührenden Zeilen schrieb, welches Leben und welche Erfahrungen hat die Autorin dieses Gedichts geführt?

Golda Malka Aufen, später Mascha genannt, wird am 7. Juni 1907 in West-Galizien als erstes Kind des jüdischen Kaufmanns Fischel Engel mit russischer Staatsbürgerschaft geboren. Da die Eltern nach jüdischem Brauch geheiratet hatten und erst Jahre nach Maschas Geburt standesamtlich getraut wurden, galt die älteste Tochter offiziell als unehelich geboren; Mascha verschwieg ein Leben lang diese Tatsache. Das Mädchen ist sieben Jahre alt, als die Familie 1914 nach Deutschland auswandert , zunächst nach Frankfurt, dann nach Marburg und 1918 nach Berlin. Obwohl sie eine sehr gute Schülerin ist, erlaubt der Vater der begabten, äußerst bildungsbeflissenen Tochter nach dem Abschluss der Mittleren Reife kein Studium. Sie nimmt eine Stelle in einem Büro an: „ … Acht Stunden bin ich dienstlich angestellt. Und tue eine schlechtbezahlte Pflicht. Am Abend schreib ich manchmal ein Gedicht. (Mein Vater meint, das habe noch gefehlt.)“ (…) („Interview mit mir selbst“ von Mascha Kaléko).

Die attraktive junge Frau mit den dunklen Haaren und den lebhaften Augen geht nach Büroschluss oft ins „Romanische Café“, damals der Treffpunkt der Berliner Künstlerszene. Zu den Autoren, die dort regelmäßig verkehren, gehören u. a. Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn, Alfred Döblin, Bertolt Brecht - die junge Mascha findet dort Anschluss. Mit 22 Jahren veröffentlicht sie die ersten Gedichte in Zeitungen und Zeitschriften und beginnt eine Karriere als Dichterin. Die Gedichte der scharf beobachtenden Großstadtchronistin zeichnen sich aus durch eine schnoddrige, lockere Art, zeugen von Heiterkeit, Ironie, Witz und Wehmut. Ihre Texte fangen die Details des Alltags ein und thematisieren das Auf und Ab der menschlichen Beziehungen, in denen sich fast jeder wiederfinden kann. Sie trifft den Ton, der die Großstadtmenschen anspricht und von deren privaten Ängsten und Nöten erzählt.
„Wir wachte auf. Die Sonne schien nur süärlich. Durch schmale Ritzen grauer Jalousien. Du gähntest tief. Und ich gestehe ehrlich: Es klang nicht schön - mir schien es jetzt erklärlich, dass Eheleute nicht in Liebe glühn.“ (…) (Der nächste Morgen von Mascha Kaléko)

1928 heiratet sie den 30-jährigen Journalisten Saul Kaléko, von dem sie zehn Jahre später geschieden wird, um den Vater ihres Sohnes Avitar, den Komponisten und Musikwissenschaftler Chemjo Vinaver, zu heiraten.
Ihre jüdische Herkunft blieb von den Nationalsozialisten unbemerkt; so konnte sie 1933 „Das Lyrische Stenogrammheft“ veröffentlichen, das ein Bestseller wurde und ihr ein sicheres Einkommen bescherte; 1934 erschien „Das kleine Lesebuch“. Dennoch müssen Mascha Kaléko mit Ehemann Vinaver und Sohn 1938 das Land verlassen; sie emigrieren nach Amerika, New York, wo sie bis 1959 leben. Abgeschnitten von ihrem vertrauten Sprach- und Kulturkreis muss Mascha, wie andere emigrierte deutsche Schriftsteller auch, praktisch bei Null anfangen - ihren Namen kennt niemand. Sie fühlt sich als Außenseiterin, die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat , die finanziellen und materiellen Schwierigkeiten verändern den Ton ihrer Gedichte; sie sind nicht mehr witzig-schnoddrig, sondern kritisch-melancholisch. Erst 1955 besucht sie nach langem Widerstreben Berlin wieder. Zwei Schicksalschläge ereilen sie in den nächsten Jahren: der Tod des Sohnes 1968 und der des Ehemannes 1973. Während einer Europareise 1974 stirbt die Dichterin, die in Jerusalem lebte, in Zürich an Magenkrebs und wird dort am jüdischen Friedhof beerdigt.

Einfühlsam, warmherzig und mit einem profunden Hintergrundwissen übermittelte Peter Steinhäußer den zahlreich erschienenen Zuhörern die Lebensgeschichte der Mascha Kaléko, die von ihrer Biografin Jutta Rosenkranz anschaulich und detailliert beschrieben wurde. Gedichte zum Mitlesen und Gedichte, von Mascha Kaléko persönlich rezitiert, vervollständigten eine interessante und überaus lehrreiche Buchvorstellung.

 

 



Mascha Kal
éko (1907 - 1975) wurde als Tochter jüdischer Eltern in Galizien geboren und wuchs in Berlin auf. Sie wurde als Dichterin bekannt und verkehrte in den Zwanzigerjahren in den intellektuellen Kreisen des berühmten "Romanischen Café" in Berlin. Zunächst veröffentlichte sie Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem "Lyrischen Stenogrammheft" ihren ersten großen Erfolg feiern konnte.
1935 erhielt Mascha Kaléko Publikationsverbot und musste mit Mann und Sohn nach New York emigrieren; 1959 zog sie mit ihrem Man nach Israel. Nach dem Krieg fand sie mit ihren so spielerisch eleganten wie spöttisch scharfsinnigen Texten wieder ein großes Publikum.

Mascha Kaléko zählt neben Sarah Kirsch, Hilde Domin, Marie Luise Kaschnitz, Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Judith Rosenkranz, geboren 1957 in Berlin, studierte Germanistik und Romanistik und lebt als Autorin und Journalistin in Berlin. Sie hat Gedichte, Prosa und literarische Essays veröffentlicht, zahlreiche Autoren-Portraits und Features für den Hörfunk geschrieben und mehrere Lyrik-Anthologien herausgegeben.

Pressestimmen zu dem vielfach gelobten Buch:
„Eine große Biografie“ (Der Spiegel)
„Es ist ein wegen seiner vielen Details ein sehr schönes Buch“ (Neue Züricher Zeitung).

 


 

 Rückschau 2019


November 2019

         

„Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden“ von Bronnie Ware, vorgestellt von Dr. Peter Witton, Vorsitzender des Kronacher Hospizvereins.

Die Australierin Bronnie Ware hat mehrere Jahre lang Sterbende bis zu ihrem letzten Atemzug begleitet, ihnen genau zugehört. Sie versucht in ihrem Buch fundamentale Fragen, die sich am Ende eines Lebens stellen, zu beantworten, z. B. Was zählt am Ende des Lebens wirklich? Geld, Macht, Ruhm oder Familie, Freunde, Glück in seinen Unternehmungen? Bronnie Ware stammt aus Australien und ist Autorin, Songwriterin und Sängerin. Nach einigen Jahren als Bankangestellte zog es sie in die weite Welt, sie lebte in England und auf einer Südseeinsel. Anschließend arbeitete sie acht Jahre als Palliativkrankenschwester und schrieb darüber in ihrem Blog »Inspiration and Chai«, der zur Grundlage ihres Bestsellers »5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen« wurde. Heute lebt Bronnie Ware wieder in Australien.
 


 

Oktober 2019

Sanfte, romantische Klavierklänge begrüßten die Besucher der 28. Literarischen Matinée in der Galerie des Kronacher Kunstverein e.V. Die Komponistin dieser Musik war Annette von Droste-Hülshoff, die auch die Protagonistin der beiden vorgestellten Romane Fräulein Nettes kurzer Sommer“ von Karen Duve und „Grimms Morde“ von Tanja Kinkel war.


Krystyna und Cristina

 

Eine Charakteristik dieser multitalentierten, hochbegabten Frau aus dem 19.Jahrhundert, die Krystyna Hurec-Diaczyszyn zusammengestellt hatte, zeugte von einer starken Persönlichkeit, die posthum Deutschlands bekannteste Dichterin werden sollte, deren Gesicht als Portrait auf den alten 20-DM-Scheinen zu sehen war. Phantasievoll, rhetorisch gewandt, schauspielerisch talentiert, Meisterin der Doppelbödigkeit, freimütig und unerschrocken, kühl sezierend im Denken, auf der steten Suche nach der Wahrheit, witzig, selbstironisch mit einem lakonisch trockenen Humor  und Gelassenheit, aber auch spöttisch, starrsinnig, kritisch, hin und her gerissen zwischen Glauben und Vernunft wird sie von ihren Zeitgenossen, ihrer Familie, Freunden und Biografen geschildert. Die Freifrau lebte als Spross uralten Adels in einer Zeit, die den Frauen wenig Rechte und Persönlichkeit zugestanden hatte. Auf den Plakaten, die zur Lesung aufgehängt worden waren, konnte man die Ansichten die katholische Kirche prägender Lehrväter über Frauen nachlesen. Nach Paulus wären die Weiber den Männern untertan und Aristoteles spricht von dem weiblichen Kind als Missgeburt und betrachtet das Weibliche gar als etwas Verstümmeltes im Vergleich zum Männlichen. Für Schopenhauer sei die Frau das unästhetische Geschlecht und eine Art Mittelstufe zwischen dem Kinde und dem Manne, der der eigentliche Mensch sei. Für den englischen Soziologen Herbert Spencer, ebenfalls Zeitgenosse von Annette von Droste-Hülshoff, repräsentiere das Weib den geringeren Grad der menschlichen Entwicklung und sei ein in der Entwicklung stehen gebliebener Mann. Wilhelm Grimm schließlich, schrieb an seinen Bruder Jakob, dass es mit ihr nicht gut fertig werden sei. Die innere Zerrissenheit dieser Dichterin, die offen für Neues war ohne jedoch Traditionen abbrechen zu wollen, zeigte sich auch in dem Gedicht „Unruhe“, das von Lutz Görner rezitiert wurde.

Mit der Textstelle über die Geburt von Annette, die als Siebenmonatskind zur Welt kam, nur dank einer Amme überleben konnte, zeitlebens kränkelnd und extrem kurzsichtig war, begann Cristina Fontana mit der Vorstellung des Buches „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ von Karen Duve. Die Handlung liegt im Jahr 1820, dem Jahr, in dem Annettes „Jugendkatastrophe“ passieren sollte. Das Freifräulein hatte sich in zwei Männer verliebt; der eine, ein Adeliger vom Stande, erweckte leidenschaftliche Gefühle in ihr, der andere, ein Bürgerlicher, zollte ihrem Verstand und ihren dichterischen Fähigkeiten hohen Respekt. Eine Intrige ihres Onkels führte zu einem Bruch dieser Beziehungen und stürzte die junge Frau in tiefe Schuldgefühle und Depressionen. Ausgewählte Textstellen, die auch den ironisierenden  Schreibstil der Autorin Karen Duve offenbarten, ließen die Zuhörer an diesen Konflikten teilhaben.

Das Buch von Tanja Kinkel „Grimms Morde“, vorgestellt von Krystyna Hurec-Diaczyszyn, setzt im Jahr 1821 ein, ein Jahr nach dem Erhalt des von beiden Männern gemeinsam verfassten Briefes, der Annette in einen emotionalen Abgrund gestürzt hatte. Ein Mord an einer Mätresse des ehemaligen Kurfürsten von Hessen-Kassel ist in diesem Roman der Anlass für Annette, zusammen mit ihrem Onkel und ihrer Schwester Jenny nach Kassel zu den Brüdern Grimm zu reisen und diesen mit ihnen zusammen aufklären zu wollen. Tanja Kinkel wollte mit ihrem Roman das schwierige komplexe Verhältnis zweier Geschwisterpaare zueinander darstellen, aber auch die Hintergründe erforschen, was einen Menschen dazu bringt, Mörder zu werden. Grundlage für diese Überlegung war der Roman „Die Judenbuche“, mit dem Annette von Droste-Hülshoff eine der ganz frühen Kriminalerzählungen der deutschen Literatur gelungen war.


Hierbei ist Annette von Droste-Hülshoff (1797- 1848) Protagonistin in den Büchern von Tanja Kinkel „Grimms Morde“ und Karin Duve „Fräulein Nettes kurzer Sommer“. 

 

 

Grimms Morde" ist ein raffinierter Krimiplot, der in eine bis ins kleinste Detail recherchierte historische Kulisse eingebettet ist „(WDR 4 Bücher (WDR) 2018-02-06). 

Der neue historische Roman der Spiegel-Bestseller-Autorin Tanja Kinkel führt zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie: Aus Grimms Märchen werden Grimms Morde. Die Protagonisten des Romans sind die Geschwisterpaare Annette und Jenny von Droste-Hülshoff und Jakob und Wilhelm Grimm. 

Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, gewann bereits mit 18 Jahren ihre ersten Literaturpreise. Sie studierte in München Germanistik, Theater- und Kommunikations-wissenschaft und promovierte über Aspekte von Feuchtwangers Auseinandersetzung mit dem Thema Macht. Tanja Kinkels Romane wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt; sie spannen den Bogen von der Gründung Roms bis zum Amerika des 21. Jahrhunderts. 

„Hinreißend erzählt, aus Spaß am Erzählen, ohne jede Angeberschlaufe, ohne jeden effektheischenden Trick (Alexander Solloch NDR Kultur).“

 

 

Karen Duves Roman ist erzählt über die junge Dichterin Annette von Droste-Hülshoff und von der Welt der letzten Romantiker, die deutsche Märchen sammelten, während die gute alte Ordnung um sie herum zerfiel. Dieses Buch ist ein Porträt einer jungen Frau in einer Welt, in der nichts so blieb, wie es war.

Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren, lebt in der Märkischen Schweiz. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Ihre Romane waren Bestseller und sind in 14 Sprachen übersetzt. Die Verfilmung ihres Romans Taxi kam 2015 in die Kinos; 2017 wurde  sie mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor (2017) ausgezeichnet.

Beide Autorinnen haben in ihren Büchern historisch genau recherchiert und bringen dem Leser die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff sympathisch nahe. 
 


September 2019 

 

Die Gottesformel
Ein Erlebnis der besonderen Art vor einer großen Anzahl interessierter Zuhörer war die Buchvorstellung in der 26. Literarischen Matinée in der Galerie des Kronacher Kunstverein e.V. Sabine Hempfling stellt den Roman „Das Einstein Enigma“ von J.R. Dos Santos vor, der sich weltweit schon mehr als eine Million mal verkauft hatte.
Beginnend mit den Informationen zum portugiesischen Schriftsteller Dos Santos ( u.a. mehrfach ausgezeichneter Kriegsberichtserstatter, Dozent für Journalistik, Sprecher der Abendnachrichten. 2016 Wahl zum besten Autoren Portugals) führte sie die Zuhörer geschickt, lebendig und einfühlsam in die Handlung des Romans ein, der im Original „Die Gottesformel“ heißt.
„Ich bin das Alpha und das Omega, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte, der Allmächtige (Johannes, Offenbarung 22,13).“ Dieses Zitat aus der Bibel, dessen Sinn sich im Verlauf des Romans deutlicher erschließt, wurde diesem vorangestellt. In der Vorgeschichte wird von einem historischen Treffen - es existieren hiervon auch Filmaufnahmen - von Professor Albert Einstein und dem israelischen Premierminister Ben-Gurion 1951 in Princeton/USA erzählt. Zwei Themen werden von den beiden Persönlichkeiten diskutiert: die Entwicklung einer preisgünstigen, leicht zu bauenden Atombombe für Israel zur Verteidigung des Landes sowie Beweise für die Existenz bzw. Nichtexistenz Gottes. Einstein, ein Pazifist, verhält sich bei diesem Gespräch, das vom CIA abgehört wird, unentschieden.

Das erste der 43 Kapitel des fast 600 Seiten umfassenden Romans führt den Leser 2006 nach Kairo/Ägypten. Dort wird der Kryptanalytiker Tomas Noronha von der Iranerin Ariana Pakravan angesprochen. Im Auftrag ihrer Regierung bittet sie den Fachmann, an der Übersetzung eines Dokuments, eines 20-seitigen Manuskripts mit dem Titel „Die Gottesformel“ von Albert Einstein, mitzuarbeiten. Nach Einsteins eigenen Worten handele es sich um eine Formel für die größte Explosion, die je gesehen wurde.
Nach Tomas’ Zusage beginnt eine Reise der Entschlüsselung in diesem Roman, der vorwiegend dialogisch geschrieben wurde. Sabine Hempfling informierte die Zuhörer anschaulich anhand von Bildtafeln, um die Entschlüsselungsversuche besser nachvollziehen zu können, über die verschiedenen Möglichkeiten, eine Information  zu verschlüsseln. Während bei einer Codierung Wörter und Sätze durch andere ersetzt werden, findet bei der Chiffrierung ein Austausch von Buchstaben statt. Weiterführend in der Entschlüsselung des Manuskripts von Einstein war die Transpositions-Chiffre, ein Anagramm, wo die Buchstaben eines Wortes in eine andere Reihenfolge angeordnet werden (z.B. Leben - Nebel). Dieses Chiffre benutzend versteckte Einstein eine Botschaft auf Deutsch in einem englischen Gedicht: „Raffiniert ist der Herrgott, aber boshaft ist er nicht.“ Bis zur Auflösung dieser Information  waren die Zuhörer schon durch die souveräne und mitreißende Vortragsweise der Referentin motiviert, auch in die schwierigeren naturwissenschaftlichen Zusammenhänge einzusteigen.
Anhand gut ausgewählter Textstellen gelang es Sabine Hempfling vortrefflich, den weiteren Verlauf des Romans eindringlich den Zuhörern nahe zu bringen und neugierig auf die Lektüre dieses überaus interessanten Romans zu machen, an dessen Ende die Lösung des Einstein Rätsels (Enigma) steht.
Bemerkenswert ist dabei der Hinweis des Autors am Anfang des Buches, dass alle in dem Buch enthaltenen wissenschaftlichen Angaben wahr seien, und alle abgehandelten wissenschaftlichen Theorien von namhaften Physikern und Mathematikern vertreten würden.

 

 

Einstein, der Beweis Gottes und der Sinn des Lebens

Nach der Sommerpause lud der Kronacher Kunstverein e.V. am Sonntag, 22.9.2019 um 11 Uhr zu seiner 26. Literarischen Matinée ein. Sabine Hempfling stellt den portugiesischen Schriftsteller Dos Santos, J. R. mit dem Roman „Das Einstein Enigma“ (Münster, luzar-publishing, ²2018) vor. 

 

 

José António Afonso Rodrigues dos Santos ist TV-Moderator und Sprecher der Abendnachrichten des portugiesischen Senders RTP1, mehrfach ausgezeichneter Kriegsberichterstatter und ehemaliger Dozent für Journalismus an der Neuen Universität Lissabon. Er hat das Talent, selbst anspruchsvollste Sachverhalte leicht und spannend zu vermitteln.

Mit seinen Büchern erreicht er ein Millionenpublikum und regelmäßige Bestsellerauflagen, insbesondere mit „Das Einstein Enigma“, das zudem in Kürze verfilmt werden soll. 18 Romane und sieben Essays liegen mittlerweile von ihm vor.  Insgesamt wurden mehr als drei Millionen seiner Bücher verkauft, in bis zu 20 verschiedenen Sprachen. 2016 wurde er zum besten Autor Portugals gewählt. Rodrigues dos Santos lebt in Lissabon. Was wäre, wenn Einstein eine wissenschaftliche Möglichkeit entdeckt hätte, um die Existenz Gottes zu beweisen? Und was ist der Sinn des Lebens? Dieser Roman basiert auf realen Forschungsergebnissen, die zwar in engen Fachkreisen lebhaft diskutiert werden, von denen die breite Öffentlichkeit jedoch so gut wie nichts erfahren hat. Eingebettet in eine spannende Spionagegeschichte führt Dos Santos seine Leser auf anschauliche Weise in die spannende Welt der Atomphysik und Quantenmechanik ein und zeigt erstaunliche Parallelen zwischen Wissenschaft und östlicher Spiritualität auf. Ein spannender Wissenschaftsroman also um wahre Erkenntnisse aus der Quantenphysik, der die Relativitätstheorie auch für interessierte Laien verständlich macht. 

 
 

 


 
 
Mai 2019
25.  L I T E R A R I S C H E   M A T I N É E

Autorenlesung mit Heidi Fischer und Tini Carl an der keltischen Harfe.


 
 
 
 

 



 

 

L I T E R A R I S C H E   M A T I N E E
Sonntag, 14. April 2019
(Text folgt)


L I T E R A R I S C H E   M A T I N E E
Sonntag, 17. März 2019
zwei Kriminalromane (Text folgt)


 

Januar 2019

Die RAF als zentrales Thema der Literarischen Matinée

Einen wahren Besucherandrang konnte der 1.Vorsitzende des Kronacher Kunstvereins Karol J.Hurec erfreut bei der ersten Literarischen Matinée im neuen Jahr verzeichnen. Das Thema der beiden Bücher, die zur Vorstellung kamen, befasste sich mit der RAF, der Roten Armee Fraktion, die, nach ihrer Gründung 1968 in der 3.Generation noch bis zum Jahr 1998 politisch aktiv war. Eine Einführung in diese Zeit der Studentenrevolten, Demonstrationen, aber auch mörderischer, tödlicher Terrorattentaten gab Krystyna Hurec-Diaczyszyn.Weltweite Bewegungen wie die Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King, der im April 1968 erschossen wurde, der Prager Frühling 1968, die Studentenunruhen in Frankreich 1968, Widerstände gegen die Vietnamkriegspolitik der USA erreichten thematisch auch Deutschland. "Unter den Talaren Muff von tausend Jahren!" riefen die Studenten 1968 auf Deutschlands Straßen. In Berlin, Frankfurt, München und vielen anderen Universitätsstädten der damaligen Bundesrepublik machten sie ihrem Unmut Luft und demonstrierten gegen die verkrusteten Gesellschaftsstrukturen im Deutschland der 1960er Jahre, gegen das verstaubte Hochschulwesen, die große Koalition, den Vietnamkrieg und die fehlende Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit. Aus Empörung wurde Protest, aus Protest wurde Widerstand, aus Widerstand wurde Gewalt - manche sahen in der Gewalt den einzig konsequenten Weg etwas zu verändern. Ein kleiner Teil der jungen Leute aus dem politisch linksautonomen Spektrum radikalisierte sich; die militante Vereinigung der Roten Armee Fraktion, die RAF wurde gegründet. Hinterhältige Terroranschläge und kaltblütige Morde stehen für diese drei Buchstaben.

 

Schlaf der Vernunft

Wie aus friedlichen Demonstranten Menschen werden konnten, die "Das System" des Staates und seiner Einrichtungen mit tödlicher Gewalt bekämpften, ist der Hintergrund für den spannenden Roman „Schlaf der Vernunft“ von Tanja Kinkel. Die Autorin, geboren 1969 in Bamberg studierte in München Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und gewann bereits mit 18 Jahren ihre ersten Literaturpreise über Aspekte von Feuchtwangers Auseinandersetzung mit dem Thema Macht. Tanja Kinkels Romane wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt und mit internationalen Preisen ausgezeichnet.„Schlaf der Vernunft“ ist eine fiktive Familiengeschichte vor einem realen zeitgeschichtlichem Hintergrund. Wie soll sich eine Tochter gegenüber der Mutter verhalten, die als verurteilte Terroristin nach 20 Jahre Haft entlassen wird? Weiterhin auf Distanz gehen oder versuchen sich dem "Scheusal" zu nähern und sachten Kontakt zu knüpfen?Erzählt wird diese Geschichte einer Annäherung zweier Menschen mit komplett unterschiedlichen Weltanschauungen auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen. Einmal im Jahre 1998 als die Mutter aus der Haftanstalt entlassen wird und die Zeit dreissig Jahre früher, als die linken Studentenproteste begannen und die Mutter als junges Mädchen in allmählich in idealistischer Verblendung in die verhängnisvollen Fänge der fanatischen Aufrührer gerät.

Ein sehr lesenswertes Buch, das ein schwieriges Thema spannend und dennoch berührend erzählt.

 

Die RAF hat euch lieb“

Diesen Satz schrieb Ulrike Meinhof, eine der Gründungsmitglieder der RAF, ihren Kindern, den Zwillingen Bettina und Monika, in einem Brief; so lautet auch der Titel des Buches von Bettina Röhl, das von Ingrid Steinhäußer einfühlsam vorgetragen wurde. Bettina Röhl wurde 1962 in Hamburg geboren, wo sie 1982 Abitur machte. 1986 begann sie neben ihrem Studium der Geschichte und Germanistik ihr Volontariat bei dem Zeitgeistmagazin TEMPO. Sie arbeitete unter anderem für Spiegel TV, Welt online, Cicero und Wirtschaftswoche und veröffentlichte zahlreiche Buchbeiträge. 2001 wurde sie mit ihren Veröffentlichungen zu Joschka Fischers Gewaltvergangenheit in stern und BILD bekannt. Nach „So macht Kommunismus Spaß“ ist „Die RAF hat euch lieb“ ihr zweites historisch-biographisches Buch über die linke Geschichte der Bundesrepublik. Die von Frau Steinhäußer ausgewählten Textstellen zeigten auf, wie traumatisch die Veränderung in der Lebensweise der Kinder war. Der gutbürgerliche familiäre Hintergrund veränderte sich zu einer für die Kinder nicht zu verstehenden Situation der Verwahrlosung und Unsicherheit. Die Mutter, auf Grund ihrer vielfältigen Aktionen zeitlich und emotional nicht mehr verfügbar, will die Kinder in ein palästinensisches Waisenhaus bringen. Ulrike Meinhof, eine Frau, die Zwänge ablehnte, zwang ihre Kinder in Situationen und Verhaltensweisen. Neben diesen persönlichen Erfahrungen reflektierte Bettina Röhl das politische Leben der 1970er Jahre. Das Buch wirkte stellenweise wie eine bittere Abrechnung mit Journalisten, Schriftstellern (Heinrich Böll), Politikern (Joschka Fischer), nicht wie ein aufklärendes Sachbuch. In ihrem Schlusswort erwähnt Röhl dann auch noch die heutige "Genderpolitik" und bezeichnet Angela Merkel als die "Königin der Antifa“. Ein Buch, das zum Nachdenken und Nachforschen anregt.


 

  Termine 2018


Oktober 2018

(20. Literarische Matinée)

 

Anlässlich des Endes des 1. Weltkrieges 1918 stellte Angela Degen-Madaus das literarische Sachbuch „Die Tagesordnung“ des französischen Schriftstellers Eric Vuillard vor.

 

Der 1968 in Lyon geborene Autor und Regisseur wurde für seine Bücher, in denen er große Momente der Geschichte neu erzählt und damit ein eigenes Genre begründet hat, u. a. mit dem Prix de l’Inaperçu und dem Franz-Hessel-Preis ausgezeichnet. 2017 bekam er für „Die Tagesordnung“ den renommierten Prix Goncourt. Vuillard beschreibt die Nazidiktatur in der Zeit von 1933-38 und schildert in diesem Buch das berühmte Geheimtreffen Adolf Hitlers am 20. Februar 1933 mit den deutschen Wirtschaftsbossen in Berlin.

Auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu diesem Treffen mit Adolf Hitler ein, um über mögliche Unterstützungen für die nationalsozialistische Politik zu beraten: Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz – kaum ein bekannter Name fehlt. In Kapitel 1, „Die Essenz des Bösen“, das von Angela Degen-Madaus teils kommentierend vorgetragen wurde, verspricht Adolf Hitler versammelten Wirtschaftsmanagern und Industriebossen gute Geschäfte. Vuillard erzählt in diesem Roman, der sich nicht als historisches Sachbuch versteht, mit analytischer Schärfe und satirischer Bissigkeit auf 120 Seiten der Allianz des Bösen, deren Essenz der Terror ist.

 

Ein anderer Schauplatz, Jahrzehnte später. „Unsere Seelen bei Nacht“, vorgestellt von Cristina Fontana

 

In Holt, einer fiktiven Kleinstadt in Colorado klingelt eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte. Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben.„Unsere Seelen bei Nacht“, der letzte Roman von Kent Haruf, der posthum erschien, wurde informativ und einfühlsam von Cristina Fontana vorgestellt. Der amerikanische Schriftsteller Kent Haruf (1943–2014) wurde unter anderem mit dem Whiting Foundation Writers’ Award, dem Wallace Stegner Award und dem Mountains & Plains Booksellers Award ausgezeichnet. Alle seine sechs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt im US-Bundesstaat Colorado. Wahrhaft und authentisch leben, auch wenn die Umwelt sie dafür verurteilt, kein Sex, sondern Nähe und Geborgenheit beim anderen finden, die Einsamkeit durch eine innige Bindung, die später Liebe wird, überwinden, verlorene Träume und Wünsche thematisieren - das sind die Inhalte dieser auf ungewöhnliche Art eingegangenen Partnerschaft. In seiner Sprache reduziert, in der Beschreibung einfach bis zum Banalen, direkte und unmittelbare Dialoge kennzeichnen den sprachlichen Stil dieses anrührenden Liebesromans, der ein überraschendes Ende aufweist.

 

September 2018

 

Autorenlesung, Isabella Maria Kern, Österreichische Autorin im Kronacher Kunstverein e.V.

 

Die österreichische Autorin Isabella Maria Kern stellte im Rahmen der Literarischen Matinée einer zahlreich erschienenen interessierten Zuhörerschaft ihre beiden Romane „Li - Tote Mädchen haben keinen Sex“ und „Augustine: In den Schuhen der anderen“ vor.

Zwangsprostitution junger, minderjähriger Mädchen ist das Thema des Erstlingswerkes der Autorin. Ein ordnungsliebender, arroganter und egoistischer Journalist, der sich gerade in einer Sinnkrise befindet, besucht aus Frust und Lust auf Sex zum ersten Mal in seinem Leben ein Bordell. Dort lernt er die 15-jährige Vietnamesin Li kennen, die ihm ihre Geschichte erzählt, anstatt Sex mit ihm zu haben. Li kam mit dem Versprechen nach Wien, dass sie hier Medizin studieren könnte, wurde aber stattdessen an einen Zuhälter verkauft, der sie mehrfach missbrauchte. Noch in der Nacht nach dem Besuch des Journalisten und einer weiteren Vergewaltigung durch den Zuhälter begeht die Vietnamesin Selbstmord und hinterlässt zwei Briefe. Der durch diese Tat zutiefst getroffene Journalist versucht, im Verlauf der Ereignisse (Verfolgung, Mord, Kündigung, paranormales Erleben …) sein Leben wieder in den Griff zu bekommen.

Isabella Maria Kern, die hauptberuflich Krankenschwester war und nun als frei schaffende Schriftstellerin lebt, stellte ihren Roman engagiert und zum Weiterlesen motivierend vor. Auf Nachfragen bezüglich der Recherchen wie z.B. der Szenen im Bordell erzählte sie, dass sie im Rahmen einer Sendung im österreichischen Fernsehen eine Bordellbesitzerin kennengelernt, von ihr eine Menge Informationen erhalten und sich sogar deren Etablissement persönlich angeschaut hätte. Die Auseinandersetzung mit problembeladenen Themenbereichen wie Zwangsprostitution, Intersexualität und deren Veröffentlichung in ihren Romanen ist der Autorin ein besonderes Anliegen. Neben dem Unterhaltungswert soll der Leser auch zum Nachdenken oder besser noch zum Umdenken aufgefordert werden und den Problemen der Mitmenschen nicht zynisch abwertend, sondern empathisch entgegentreten. In diesem Sinne ist auch „Augustine - In den Schuhen der anderen“, das nächste Buch, das mit Leseproben vorgestellt wurde, zu verstehen. Dieser erotische Beziehungsroman erzählt die irreale Geschichte einer in der Wirklichkeit unauffälligen, in sexueller Hinsicht unerfahrenen Frau, die mit Hilfe einer besonderen „Gabe“ in die Körper anderer Frauen schlüpft, transcorporiert, um leidenschaftlichen Sex zu haben und sich wenigstens für kurze Zeit der Illusion hinzugeben, geliebt zu werden. Bemerkenswert war das Titelbild des Buches „Li“, das die Autorin als Gemälde mitgebracht hatte. Ein Bekannter der Familie hatte es spontan nach der Lektüre des Romans, der ihn sehr berührt hatte, gemalt.

 

August 2018

 

Menschliches, Allzumenschliches, Der Mensch Nietzsche …..

Der 1. Vorsitzende des Kronacher Kunstverein e.V., Karol J.Hurec begrüßte die die zahlreichen, interessierten Zuhörer die sich schwerpunktmäßig über das Leben und Leiden, die Persönlichkeit und die Philosophie dieses großartigen Denkers informieren wollten.

 

Der Mensch mag sich noch so weit mit seiner Erkenntnis ausrecken, sich selber noch so objektiv vorkommen: zuletzt trägt er doch Nichts davon, als seine eigene Biografie.“ (Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches)

Dieses Motto Nietzsches stellte Lou Andreas-Salomé dem ersten Abschnitt von dreien in ihrer Biographie „Friedrich Nietzsche in seinen Werken“ voran.

Dieses Buch wurde in der Literarischen Matinée anlässlich der Installation „Also sprach Zarathustra“ von Peter Rutzmoser in der Galerie des Kronacher Kunstverein e.V. von Krystyna Hurec-Diaczyszyn vorgestellt.

Lou Andreas-Salomé ( 1861-1937), eine der bekanntesten Schriftstellerinnen, Essayistinnen und Psychoanalytikerinnen ihrer Zeit, sah ihre Aufgabe als Biographin darin, den Denker durch den Menschen Nietzsche zu erläutern, denn wie bei keinem anderen Philosophen fielen äußeres Geisteswerk und inneres Lebensbild so völlig in eins zusammen. Dass Nietzsche auch ein Musiker von hoher Begabung war, konnten die Zuhörer der eingangs gespielten, von Nietzsche komponierten Klavierstücke entnehmen. Lou Andreas-Salomés Ausführungen stellten das eigene Selbst als zentrales Thema Nietzsches heraus u.a. ausgehend von der Selbsttäuschung, der Selbstspaltung, der Selbsterduldung zur geistigen Selbstversenkung und dem absoluten Selbstuntergang; Nietzsche selbst bezeichnete sich in einem seiner letzten Gedichte als Selbstkenner und Selbsthenker.

Irvin D.Yalom

Die Isoliertheit, Hilfsbedürftigkeit und Verzweiflung des brillanten Philosophen Nietzsche, der in seinem unzeitgemäßen Denken seiner Zeit weit voraus war, war für Irvin D.Yalom (geb. 1931), einem der bekanntesten und einflussreichsten Therapeuten in den USA, Anlass, einen Lehrroman für seine Studenten zu schreiben, der diese nach Wien in die Zeit des ausgehenden 19.Jahrhunderts versetzen sollte. „Und Nietzsche weinte“ ist ein fiktiver Roman, in der der Philosoph Friedrich Nietzsche in der Interaktion mit Dr. Josef Breuer, Mentor Sigmund Freuds, eine Hauptrolle bei der Entstehung des Fachgebiets der Psychotherapie spielt.
Die Ereignisse in diesem Roman sollten laut Yalom eine tatsächliche Möglichkeit darstellen, so als hätte das fiktiv Geschriebene sich wirklich zugetragen. Dr. Josef Breuer wird von Lou Salomé gedrängt, dem suizidgefährdeten Friedrich Nietzsche zu helfen und ihn von seiner zerstörerischen Besessenheit für sie zu heilen. Breuer willigt ein und unterzieht den Philosophen einer „Redekur“, einer neuartigen Heilmethode. Zwischen Patient und Arzt finden heftige Rededuelle statt, deren Ausgang für beide unerwartet ist.

Krystyna Hurec-Diaczyszyn verwies bei der Vorstellung der beiden Bücher noch auf zusätzliches Lesematerial, so die Biografien von Kerstin Decker über Nietzsches Schwester Elisabeth Förster-Nietzsche („Die Schwester“) und Lou Andreas-Salomé („Der bittersüße Funke Ich“) wie auch auf die Filme (DVD) „Und Nietzsche weinte“ und „Lou“.

 

Juli 2018

 

Autorenlesung, Nicole Eick, Skurril und dennoch menschennah

 

Wieder hatte der Kronacher Kunstverein e.V. zur Literarischen Matinée eingeladen und viele Interessierte hörten mit wachsender Begeisterung der Coburger Autorin und Mitbegründerin der Autorengruppe SCHREIBSAND, Nicole Eick, zu.

 

1957 in Karlsruhe, der badischen Fächerstadt, geboren, begann sie mit 11 Jahren zu schreiben und beendete mit 12 Jahren ihren ersten Roman „Ferien in der Gespensterhütte“, der unveröffentlicht blieb. Nach dem Abitur studierte sie Sozialpädagogik in Bamberg und zog 1986 mit Familie nach Coburg, wo sie als Sozialpädagogin bei verschiedenen Trägern arbeitete. Von 1994 bis 2008 war sie nebenberuflich freie Mitarbeiterin der Neuen Presse Coburg und feilte nebenbei in der VHS-Schreibwerkstatt an Texten. Das Schreiben, der kreative, auch spielerische Umgang mit Sprache liegt ihr zweifellos. Die Leseproben aus ihren Büchern „Buchstabensuppe“ und „raus bist du“ weckten den Appetit auf mehr. Ironie und Lächeln, bis dieses auf den Lippen gefriert - das ist der Eindruck, den die nudeligen Attentate eines Mobbingopfers gegen seine Quälgeister in einem Büro beim Zuhörer hinterlassen.

Rache ist süß - nein, weit gefehlt! Rache ist Buchstabensuppe. Der Leser dieser Kurzgeschichte hat völliges Verständnis für die Aktionen einer - pardon! -unscheinbaren Büromaus, die in ihrer Skurrilität an die makabren und fiesen Geschichten eines Roald Dahl erinnern. Sprachlich das Wesentliche ohne große Umschweife klar und klug zu Papier gebracht, gelingt es Nicole Eick vortrefflich, den Leser auf eine Reise zu den Problemen und Nöten seiner Mitmenschen mitzunehmen und dies in Begleitung eines versteckten feinen Humors. Beeindruckend bei dieser Autorenlesung waren die kurzen, gedichtartigen Geschichten - kreative Spielereien mit Wörtern; so in der K-Geschichte, wo alle Wörter mit dem Buchstaben K beginnen oder in der schwierig vorzutragenden U-Geschichte, in der der Buchstabe u der einzige Vokal ist. Bereitwillig stellte sich Nicole Eick den Fragen ihrer Zuhörerschaft und erzählte von den Anregungen, die sie aus Zeitungsinformationen oder eigenem Erleben ihren Geschichten zugrunde legen konnte.

 

Mai 2018

 

Autorenlesung, Dr. Norbert Autenrieth, Der Mensch ist ein gar seltsames Wesen

 

Warum ein Lehrer so mir nichts dir nichts seine Klasse im Stich lässt, was Mephisto im Biergarten anrichtet, wie sich Kommissar Dürrbeck mit Bratwurstleichen herum-ärgern muss, was „Süßes oder Saures“ so mit sich bringt, dass das Verhältnis zur Mutter ein durchaus gespaltenes sein kann und was es mit Kräutern, Käsekuchen oder Trüffeln auf sich hat, das und mehr beinhalten Kurzgeschichten, Erzählungen und Glossen, die ernsthaft und hintergründig, satirisch und humorvoll beweisen, dass der „Mensch ein gar seltsames Wesen“ ist - und das Buch ein perfektes Lesevergnügen!

1950 in Nürnberg geboren, seit 1970 verheiratet, drei Kinder und sechs Enkel. Seit 1977 wohnhaft in Cadolzburg. Nach dem Studium für das Lehramt als Lehrer in Grund- und Hauptschulen eingesetzt, 1989 neben Berufstätigkeit bei Frau Prof. Roth in Bamberg promoviert (Volkskunde, Didaktik der Geschichte und Schulpädagogik). Von 1991 – 1997 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Schulpädagogik an der EWF in Nürnberg, seit 1997 in der Schulleitung oder als Schulleiter tätig, seit 2004 Rektor der Mittelschule Cadolzburg, seit 2012 im Ruhestand. Seit den siebziger Jahren beschäftigt er sich mit Mundartlyrik und –epik, aber auch mit hochdeutschen Texten, hat seitdem zahlreich in Anthologien und Zeitungen veröffentlicht und ist regional durch Lesungen bekannt, z.B. durch ein laufend aktualisiertes fränkisches Kabarettprogramm („Mer red ja ned, mer sachd ja bloas“) solo oder zusammen mit diversen Musikbeiträgen, ferner Programme mir hochdeutschen Texten (z.B. „Reißwolf und Papiertiger“ mit MIchael Lösel), daneben Mitwirkung in Rundfunksendungen. Mehrere Buchveröffentlichungen, zuletzt „Der Mensch ist ein gar seltsames Wesen 2017 (Kurzgeschichten, Erzählungen und Glossen) und „Weihnachten! Ein fränkische Lesebuch zum Fest des Jahres“ 2017. Außerdem zahlreiche fachwissenschaftliche Veröffentlichungen (historischer und pädagogischer Art), ferner Konzeption von Ausstellung, z.B. „165 Jahre Struwwelpeter“ (2006) im Stadtmuseum Zirndorf oder „Der 1. Weltkrieg im Kinderzimmer“ (2014/15) im Historischen Museum Cadolzburg. Er ist Sprecher des Collegiums Nürnberger Mundartdichter, Mitglied im Vorstand des AutorenVerband Franken, in diesem Schriftleiter des "Literarischen Journals" und der jährlichen erscheinenden Anthologie "ZimmerLese". Ferner Rundgangsleiter bei "Geschichte für Alle", Burgführer "Erlebnisburg Cadolzburg" und Schriftleiter des "Bleistift", der periodischen Zeitschrift des Heimatvereins Cadolzburg u.U. e.V.. Zahlreiche Berücksichtigung bei Literatur-Wettbewerben, zuletzt 3. Platz im "Landschreiber-Wettbewerb" des Instituts für Sondersprachen in Münster zum Thema "Sprache und Seinskategorien", 1. Preis beim 1. Fränkischen Literaturpreis 2016. Träger der bronzenen Ehrenamtsnadel des Landkreises Fürth und Verleihung des Ehrenamtspreises der Stadt Nürnberg/Iduna-Versicherung/Nürnberger Nachrichten 2016.

 

April 2018

 

Der 1. Vorsitzende des Kronacher Kunstverein e.V., Karol J.Hurec, konnte zur 16. Literarischen Matinée eine zahlreiche Zuhörerschaft begrüßen. In seinen einführenden Worten verwies er auf die überaus positive Resonanz auf dieses Literaturangebot des Kunstvereins, das sich seit Anbeginn zu einer beliebten und festen Einrichtung entwickelt hatte.

Becoming myself“ oder „Wie man wird, was man ist“ ist das im November 2017 in Deutschland erschienene Buch des 1931 in Washington D.C. geborenen Irvin D. Yalom, das von Krystyna Hurec-Diaczyszyn vorgestellt wurde.

 

Dieser US-amerikanische Psychoanalytiker, Psychotherapeut, Psychiater, Schriftsteller und seit 1994 emeritierter Professor der Universität Stanford gilt als einer der bedeutendsten lebenden Vertreter der existentiellen Psychotherapie und Gruppentherapie. Für seine Verdienste in Forschung und Lehre wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. ist er seit 2009 Träger des Internationalen Sigmund-Freud-Preises. Als Autor zahlreicher wissenschaftlicher Bücher und Romane schreibt er sprachlich exzellent formulierend, inhaltlich von hohem aufklärerischen Wert, menschlich bewegend, mitreißend und, wie auch in seinen „Memoiren eines Psychotherapeuten“, selbstenthüllend und ehrlich. In den 40 Kapiteln seiner Lebensgeschichte erzählt Yalom von sich und den Umbrüchen, die ihn und seine Arbeit prägten. Die Erinnerungen des inzwischen 87-jährigen Autors, dessen Eltern jüdische Einwanderer aus Russland waren und einen kleinen Lebensmittelladen betrieben, beschreiben eine Kindheit, die von Armut, Einsamkeit und Minderwertigkeitsgefühlen geprägt war, aber auch von einer eigenwilligen Zielstrebigkeit, dies hinter sich zu lassen. Yaloms Leben an der Highschool, sein Medizinstudium, seine Facharztausbildung und die sein Leben prägende Entscheidung, an der Universität Stanford in Kalifornien zu forschen und zu lehren werden bis zum heutigen Tag begleitet von seiner Frau Marilyn. Sie ist seinen Worten nach der wichtigste Mentor bzw. die wichtigste Mentorin, nach denen er als Kind vergeblich gesucht hatte. In seinen Memoiren verweist er auf psychologische Phänomene wie Übertragung und Gegenübertragung, die für jeden Psychiater ein Problem in der Therapie darstellen können. In seinen Romanen, denen Fallgeschichten zu Grunde liegen wie z.B. „Die Liebe und ihr Henker“ oder die rein fiktiv sind wie „Und Nietzsche weinte“ verwebt er geschickt theoretisches Wissen mit spannenden Handlungsabläufen. Sein 20 Jahre älterer Kollege, Rollo May, schreibt: „Yalom schreibt wie ein Engel über die Teufel, von denen wir besessen sind.“ Yalom selbst blickt am Ende seines Buches auf ein außergewöhnliches, sinnerfülltes Leben dankbar zurück und zitiert Nietzsches Zarathustra: „War das das Leben? Wohlan! Noch einmal!“

 

Woher wir kommen, wohin wir gehen; Der Mensch - die Krone der Schöpfung oder der Schrecken des Ökosystems? Das Buch „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ des 37-jährigen Historikers und Professors der Jerusalemer Hebrew University Yuval Noah Harari wurde von Hinrich Ruyter vorgestellt.

 

Diese Universalgeschichte hielt sich mehr als 100 Wochen auf Platz Eins der nationalen Sachbuch-Bestsellerliste und bietet dem Leser auf 526 leicht lesbaren Seiten eine rasante Reise durch die vergangenen 100000 Jahre an. Dem Autor geht es darum, die drei großen Revolutionen in der Entwicklung der Spezies Mensch aufzuzeigen: Die kognitive Revolution vor 70000 Jahren, die landwirtschaftliche Revolution vor rund 12000 Jahren und die wissenschaftliche Revolution, die vor knapp 500 Jahren ihren Anfang nahm. Das Buch erzählt, welche Konsequenzen diese drei Revolutionen für den Menschen und seine Mitlebenwesen hatten und haben. Harari räumt in seiner historischen Analyse mit populären Geschichtsirrtümern auf und verweist auf die Einflüsse von Politik, Wirtschaft und Religion als entscheidende Entwicklungsmotoren. Hinrich Ruyter las auszugsweise Hararis Kapitel über die Religion vor, das als eines der brillantesten im Buch angesehen werden kann. Monotheismus (Glaube an einen allmächtigen Gott), Polytheismus (viele mächtige Gottheiten), Animismus ( alle Lebewesen haben eigene Persönlichkeiten, Bedürfnisse und Wünsche) und als Vermischung all dieser unvereinbaren Vorstellungen, Rituale und Praktiken der Synkretismus (Vermischung von religiösen Ideen oder Philosophien zu einem neuen System oder Weltbild) - der Durchschnittschrist von heute glaubt nach Harari an einen monotheistischen Gott, einen dualistischen Teufel, polytheistische Heilige und animistische Geister. Harari führt seine Überlegungen dahingehend aus, dass Religion die dritte große Kraft war, die zur Einigung der Menschheit beitrug, dennoch oft als Inbegriff für Ausgrenzung, Streit und Hass angesehen werden kann.

Wohin die Entwicklung des Menschen gehen wird - einen Ausblick oder eine Antwort darauf gibt das jüngst erschienene Buch von Yuval Harari „Homo deus - eine Geschichte von morgen“.

 

Februar 2018

 

Autorenlesung, Peter Engerisser, Quest im Kronacher Kunstverein

 

Der 1. Vorsitzende des Kronacher Kunstvereins Karol J.Hurec konnte zur 15. Literarischen Matinée auch dieses Mal wieder eine große Zahl interessierter Zuhörer begrüßen. Krystyna Hurec-Diaczyszyn, die Organisatorin dieser Lesungen, stellte mit ihren einführenden Worten den Kronacher Schriftsteller Peter Engerisser vor.Unter dem Pseudonym Jan Peter Andres veröffentlichte er letztes Jahr die „Schwertläufer“-Trilogie mit den beiden 1600 Seiten umfassenden Büchern „Die Reise nach Arangion“, „Die Schlüssel von Ormor“ und „Das Zepter Aranurs“.

 

Hintergründe: Das Interesse an Personen und Einzelschicksalen im Gegensatz zum Sammeln biografischer Daten bei seinen historischen, wissenschaftlich gehaltenen Büchern steht bei Peter Engerisser im Vordergrund für das Schreiben seiner umfassenden Romane.Umfangreiche, über Jahre dauernde Recherche, tägliche Schreibarbeit, Verfassen eines Road-Map zum besseren Verständnis der Wegstrecken, genaueste Überlegungen zu den jeweiligen Mondphasen oder Transportmittel - dies alles waren u.a. die notwendigen Vorarbeiten, die der Autor von der Idee (2010) bis zum Erscheinen des Fantasyromans (2017) erbringen musste. „In Fantasy ist alles anders, was explizit anders beschrieben wird“, erläuterte Peter Engerisser das Genre des Romans und ergänzte, dass der Roman eine Mischung aus Fantasysaga und Herr der Ringe sei.

Suche nach neuen Lebensräumen: Die Grundidee der Trilogie ist ein Vulkanausbruch, der zu einer Klimaveränderung, einer kleinen Eiszeit, führt. Die Folge sind Verschiebungen im gesellschaftlich-sozialen Bereich; eine Flucht aus den unwirtlich gewordenen Landstrichen setzt ein. Die Suche nach neuen Lebensräumen verläuft teils friedlich, ist aber auch mit Konflikten und Gewalt verbunden. Fünf Protagonisten machen sich auf eine abenteuerliche Suche nach zwei Artefakten mit dem Ziel, den Vulkan wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Die heißen Quellen von Oridor: Peter Engerisser las aus dem Kapitel „Die heißen Quellen von Oridor“ vor. Nachdem die Vorräte der Protagonisten und ihrer begleitenden Tiere aufgebraucht waren, half für das weitere Überleben nur noch der Bau eines Floßes und die Weiterfahrt auf einem Fluss. Das Wissen um den Bau von Flößen nach fränkischen Vorbild ließ der Autor an dieser Stelle geschickt einfließen. Die Vorstellung der Bücher und der Arbeit des Autors erweckte am Ende bei den Anwesendendie Lust und Neugierde auf das Lesen dieser Fantasysaga.

 

Januar 2018

 

Autorenlesung, Iris Fleischhauer, „Licht Blick“

 

Zur 14. Literarischen Matinée in der Galerie des Kronacher Kunstvereins konnte der 1.Vorsitzende Karol J. Hurec eine erfreulich große Anzahl interessierter Zuhörer zu einer Autorenlesung begrüßen.

 

Krystyna Hurec-Diaczyszyn stellte die in Weimar geborene und aufgewachsene, jetzt in Schalkau lebende Autorin Iris Fleischhauer vor. Nach 24-jähriger Lehrertätigkeit an der Rudolf-Steiner-Schule in Coburg ist sie jetzt frei schaffende Schriftstellerin, schreibt Bücher und veröffentlicht Kurzgeschichten und Artikel in Zeitschriften. Für Kronach brachte sie die beiden Bücher „Licht Blick“ und „So ist das Leben“ mit. Es traf sich an diesem Sonntag ausgezeichnet, dass am Wochenende das beeindruckende Schauspiel über Hildegard von Bingen auf der Bühne des Kreiskulturraumes präsentiert wurde. Iris Fleischhauer berichtete über ihre Recherchen zu Jutta von Sponheim der sie eine Geschichte im Buch “Licht Blick” widmet. Magistra Jutta, Meisterin Jutta, Jutta von Sponheim, war die verehrte Lehrerin der Hildegard von Bingen. Auch sie eine der Frauen in dem Buch, deren Leben in die Zeit des Mittelalters einzuordnen ist und deren innere Stärke die Autorin zum Schreiben angeregt hatte. Iris Fleischhauer ist es wichtig, bei den aus historischer Sicht korrekten Recherchen auf den Spuren dieser von der Kirche selig oder heilig gesprochenen Frauen, deren Wirkstätten persönlich aufzusuchen. Auch wenn es sich dabei nur noch um Ruinen ehemaliger Klöster handelt. An diesen Schauplätzen versucht sie, dem wahren Leben der Frauen auf die Spur zu kommen. Wo Fakten nur lückenhaft vorhanden sind, lässt sie ihre Fantasie spielen und erfindet fiktive Begegnungen, die jedoch immer einen historisch exakten Hintergrund haben. Die Frage „Was machen Menschen aus ihrem teils schwierigen Schicksal?“ zu beantworten ist für Iris Fleischhauer von größerer Bedeutung als das Aneinanderreihen biografischer Daten. So ist das Buch „Licht Blick“ nicht ein Sachbuch über starke Frauengestalten und deren spirituelles Handeln im Mittelalter, sondern der Versuch, Tatsachen, die in eine fiktive Geschichte einfließen, wahr sein zu lassen. Die Todesnacht vom 22.12.1236, in der Jutta von Sponheim verstarb, wurde in einem Brief beschrieben, dessen Lektüre Anregung zu der Erzählung war. Viele Fragen wurden von den beeindruckten Zuhörern der Autorin zu ihrer schriftstellerischen Arbeit gestellt und von ihr sowohl kompetent als auch einfühlsam beantwortet. Im Gespräch kristallisierte sich eine Gemeinsamkeit der beschriebenen Frauen heraus: Sie verbrachten ihre Lebenszeit mit der Arbeit an den Menschen und der Natur; ihr spirituelles Handeln folgte dem Impuls und nicht der Hl. Schrift; sie leuchteten von innen heraus.

Ein Zeitsprung. Das Gedicht „In memoriam“ aus dem Band „So ist das Leben“ erzählt von der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als Menschen in dem ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald, das nach Kriegsende als sowjetisches Erziehungslager weiter fungierte, spurlos verschwanden.

Auf die Frage nach künftigen Erzählprojekten verwies Iris Fleischhauer auf das in diesem Jahr erscheinende Buch über eine Wanderung entlang der Ilm, das u.a. geografische Gegebenheiten und fiktive Begegnungen enthalten wird.

 

 



Termine 2017


Oktober 2017

 

Der 1. Vorsitzende des Kronacher Kunstvereins Karl J.Hurec lud am Sonntag, 22.10.2017 um 11.00 Uhr zur 12. Literarischen Matinée in der Galerie des KKV ein. Zur Vorstellung kamen die Bücher „Schuberts Winterreise“ des britischen Opernsängers Ian Bostridge und „Die Alternative oder Macht endlich Politik!“ des ehemaligen Münchner Oberbürgermeisters Christian Udo. Diese beiden aktuellen Bücher wurden von Peter und Ingrid Steinhäuser vorgestellt.

 

September 2017

 

Die Würde des Menschen

"Evil - Das Böse" von Jan Guillou, vorgestellt von Karol J.Hurec

 

Der schwedische Autor Jan Guillou, geboren 1944 in Södertälje, zählt nach Astrid Lindgren zu den bekanntesten und am meisten gelesenen zeitgenössischen Autoren Schwedens. In Deutschland wurde er vor allem durch seine Polit-Thriller und historischen Romane bekannt. Viele seiner Romane wurden verfilmt, auch “Evil”, dessen Verfilmung 2004 für den Oscar nominiert wurde. “Du bist das personifizierte Böse und als solches musst du vernichtet werden!” Diese Worte brüllt der Rektor dem 14-jährigen Erik entgegen, der bereits brutaler Anführer einer berüchtigten Jugendbande ist. “Was ihm fehle, sei eine gehörige Tracht Prügel…” Doch - Erik wird fast täglich Gewalt von seinem grausamen und autoritären Vater entgegengebracht, der es genießt, seinen Sohn mit Schlägen zu quälen, zu demütigen und befriedigt darüber zu lächeln. Nach einem schwerwiegenden Vorkommnis scheint Eriks Zukunft zerstört, denn keine Schule will ihn nach seinem Rauswurf noch aufnehmen. Seine letzte Chance ist das Internat Stjärnsberg, das als Eliteschule gilt. Doch in Wahrheit wird sie von einer Clique sadistischer Primaner beherrscht und - die Lehrer schauen weg. Erik, der dort einen gewaltlosen Neuanfang wagen will, freundet sich mit dem sanften Pierre an. Doch allzu bald ist er gezwungen zu begreifen, dass in Stjärnsberg, dem Hort des Bösen, Gewalt herrscht, wie sie ihm nie zuvor begegnet ist, und es keine Rettung vor ihr zu geben scheint...

Der Autor Jan Guillou hat mit diesem stark autobiografisch geprägten Jugendroman in einer grandiosen, glasklaren Sprache einen genialen, beklemmenden und aufrüttelnden Roman mit einem grandiosen Ende über ein ernstes Thema verfasst, das die betroffen wirkenden Zuhörer zu etlichen Stellungnahmen veranlasste.

 

"Das bedingungslose Grundeinkommen", vorgestellt von Hinrich Ruyter

 

Das bedingungslose Grundeinkommen stelle einen frei zu arbeiten, sich zu engagieren, initiativ zu werden. Es sei kein zusätzliches, sondern ein grundsätzliches Einkommen - so die beiden Autoren Daniel Häni und Philip Kovce in ihrem Buch “Was fehlt, wenn alles das ist? Warum das bedingungslose Grundeinkommen die richtigen Fragen stellt”, das fachkundig von Hinrich Ruyter vorgestellt wurde. Philip Kovce forscht am Basler “Philosophicum” und ist u.a. freier Autor für die “Zeit”, die “FAZ” und die “Süddeutsche Zeitung”. Daniel Häni ist Unternehmer, Mitbegründer des Basler Kultur- und Kaffeehauses “unternehmen mitte” sowie Mitinitiator der Schweizer Volksinitiative “Für ein bedingungsloses Grundeinkommen”. Die Volksinitiative fragte zweierlei, was auch zur Thematik des Buches wurde: “Was will ich eigentlich und was würde ich tun, wenn für mein Einkommen gesorgt wäre?” Und: “Bin ich bereit, den anderen die Existenzgrundlage bedingungslos zu gewähren?”

Arbeit, Macht und Freiheit: In den drei Kapiteln Arbeit, Macht und Freiheit folgen die Autoren der zentralen Frage: “Was fehlt, wenn alles da ist?” Diese Frage stellt sich angesichts des Mangels im Überfluss, der Armut im Reichtum, der Leere in der Fülle.Die Überlegungen der Autoren zum Thema Arbeit (“Was würden Sie tun, wenn alle anderen für S d “Wer nicht arbeiten will, ist krank” vorgestellt. Als weitere Beispiele zum Thema Macht (“Wer bestimmt, wenn jeder selbst bestimmt”) wurden auf Wunsch der Zuhörer die Passagen “Emanzipation für alle” und “Was ist gerecht” vorgelesen. Nach einem Ausblick auf den dritten Ansatzpunkt Freiheit (“Wie frei sind wir, wenn wir niemanden mehr zwingen?”) mit dem Beitrag “Tanz der Freiheit” entspann sich eine rege Diskussion zwischen den Zuhörern und dem Referenten. Es ging hierbei u.a. um das Menschenbild jedes einzelnen, die Einnahmen des Staates, den Sozialstaat und seinen Verbindlichkeiten, Erziehung, Bildung, Freiheit und Freizeit.

Dieses Buch ist nach Angabe der Autoren spielerisch entstanden, es ist “ ein Satz-Buch, das immer wieder die aphoristische Zuspitzung sucht, ein Absatz-Buch, das von Passage zu Passage Gedanken verdichtet, und ein Aufsatz-Buch, das kapitelweise Phänomene beleuchtet.”

 

Juli 2017

 

Wem gehört die Welt?: Die Machtverhältnisse im globalen Kapitalismus“ von Hanns-Jürgen Jakobs, vorgestellt von Andrea Partheymüller-Gerber

 

Hans-Jürgen Jakobs, geboren 1956, ist Volkswirt und einer der renommierten Wirtschaftsjournalisten des Landes. Er arbeitete u.a. für den "Spiegel" und war Chef der Online-Ausgabe und der Wirtschaftsredaktion der "Süddeutschen Zeitung". Seit 2013 ist er in verschiedenen Funktionen für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, bis 2015 war er Chefredakteur des "Handelsblatts". Zum Team für dieses Buch gehören neben Jakobs rund 30 Korrespondenten der bedeutendsten deutschen Wirtschaftszeitung "Handelsblatt" sowie die Mitarbeiter des von Professor Bert Rürup geleiteten Handelsblatt Research Institute. Die 200 mächtigsten Akteure des Weltfinanzwesens werden in diesem Buch im Porträt vorgestellt. Mit ihren Billionen schweren Fonds, zusammen mehr als 40 Billionen US-Dollar – das sind 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Welt oder fast das Dreifache der Wirtschaftsleistung der EU - dominieren sie längst die zentralen Felder der Weltwirtschaft und konzentrieren Geld und Einfluss wie nie zuvor. Doch wer sie wirklich sind und welche Ziele sie verfolgen, wusste bisher niemand. „Mit „Wem gehört die Welt?“ hat er (Anm. der Autor) nicht nur eine spannende Frage gestellt, er hat in seinem großen Report dann auch kenntnisreiche und in ihrer zahlenträchtigen Detailschärfe auch äußerst beeindruckende und zugleich beängstigende Antworten geliefert.“ (Handelsblatt, Dietmar Neuerer)

 

Glückskind mit Vater“ von Christoph Hein, vorgestellt von Peter Steinhäußer

 

Der Autor erzählt ironisch-humoristisch, anrührend, ohne Sentimentalität oder Sarkasmus über ein beispiellos-beispielhaftes Leben in mehr als sechzig Jahren deutscher Nachkriegsgeschichte.Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren und wuchs nach Kriegsende in Bad Düben bei Leipzig auf.Ab 1967 studierte er an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1982/83 mit seiner Novelle »Der fremde Freund / Drachenblut«. Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis und Stefan-Heym-Preis.

Was verdankt ein von der Mutter »Glückskind« genannter Sohn dem Vater? Seit seiner Geburt im Jahr 1945 versucht die Hauptfigur des Romans, in der entstehenden DDR lebend, auf verschiedenste Art aus dem Schatten seines Vaters, eines am Kriegsende hingerichteten Kriegsverbrechers, zu treten.

Hein verweist schon eingangs in seinem Roman darauf, dass die Personen nicht frei erfunden sind und das Buch stark autobiographische Züge trägt.

Ein großer deutscher Roman“, so Christian Ruß bei Spiegel Online, 7.3.2016.

 

Juni 2017

 

Der junge Stalin“ und „Kinder des Winters“ von Simon Sebag Montefiore, vorgestellt von Krystyna Hurec-Diaczyszyn

 

Montefiore lehrt Geschichte an der Cambridge University, wo er in Philosophie promovierte.Dieser international bekannte Schriftsteller hat zahlreiche preisgekrönte Bestseller geschrieben, die mittlerweile in 45 Sprachen übersetzt wurden.„Der junge Stalin“, erschienen 2007, wurde mit dem Costa Biography Award, dem LA Times Book Prize for Biography, dem Le Grand Prix de la Biographie Politique sowie dem Bruno Kreisky-Preis für politische Literatur ausgezeichnet, „Die Kinder des Winters“, erschienen 2015, mit dem Political Novel of the Year Prize. Wie konnte aus Stalin der brutale Herrscher werden, der in mehreren "Säuberungen" 15 Millionen Menschen ermorden ließ und durch sein brutales Vorgehen gegen die Kulaken, russische Großbauern, eine Hungersnot vom Zaun brach, an deren Ende acht Millionen Opfer standen? Können wir in Stalins Jugend Hinweise finden, die seine Verachtung gegen den Wert eines Menschenlebens verständlich machen können? Der Historiker Simon Sebag Montefiore hat zahllose unbekannte Dokumente zu Tage gefördert und erzählt die packende, bisher ungeschriebene Geschichte des jungen Josef Stalin und wie aus ihm der gefürchtete Diktator und Staatsmann wurde. Während Russland in Moskau 1945 seinen Sieg über Deutschland feiert, ertönen Schüsse. Ein Junge und ein Mädchen liegen tot auf einer Brücke. Man findet heraus, dass es die Kinder hochrangiger Offiziere waren, und beide auf die angesehenste Eliteschule Moskaus gingen. War es ein Unfall oder Mord? Es beginnt eine schonungslose Ermittlung. Kinder zwischen sieben und achtzehn Jahre werden verhaftet, Familien werden auseinandergerissen. Dieser spannende Roman beruht auf einer wahren Begebenheit.

 

April 2017

 

Illegale Kriege: Wie die NATO-Länder die UNO sabotieren. Eine Chronik von Kuba bis Syrien“ von Dr. Daniele Ganser, vorgestellt von Andrea Partheymüller-Gerber

 

Der Autor, 1972 in Lugano geboren, spezialisierte sich auf Zeitgeschichte nach 1945 und internationale Politik. Seine Forschungsschwerpunkte sind Friedensforschung, Geostrategie, verdeckte Kriegsführung, Ressourcenkämpfe und Wirtschaftspolitik. Er unterrichtet am Historischen Seminar der Universität Basel und forscht zum «Peak Oil», dem globalen Kampf ums Erdöl, und dem so genannten «Krieg gegen den Terrorismus».

Das Buch ist klar und gut verständlich geschrieben, korrekt recherchiert; inhaltlich ist die Rede von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Aggression, Machtpolitik, Kriegsverbrechen. Das erklärte Ziel des Autors ist es, der Wahrheitsfindung und dem Allgemeinwohl zu dienen und den Frieden zu bewahren.

 

Ismael“ von Daniel Quinn, vorgestellt von Hinrich Ruyter

 

Ismael“ ist ein 1992 erschienener Roman des ehemaligen Trappistenmönchs Daniel Quinn. Dieses Werk stellt den ersten Teil einer Trilogie dar, gefolgt von The Story of B. (1996) und My Ishmael (1997, deutscher Titel Ismaels Geheimnis).

Der Roman, der eigentlich ein Gespräch zwischen Lehrer und Schüler ist, handelt von einem orientierungslosen jungen Mann, der auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage ist, wie er die Erde retten könne. Eines Morgens entdeckt er in der Zeitung eine Kleinanzeige, in der ein „Lehrer“ einen „Schüler mit dem ernsthaften Verlangen, die Welt zu retten“ sucht. Der Lehrer ist, wie sich herausstellt, kein Mensch, sondern ein Gorilla mit dem Namen Ismael, der gelernt hat, mit Menschen perTelepathie zu kommunizieren. Der Schüler wird unterrichtet über die Mythen der Menschheit, insbesondere der biblischen Erzählungen vom Sündenfall und der Ermordung Abels, und deren Auswirkung auf die Moral und den Umgang mit der Erde. Ismael, der Lehrer, gibt seinem Schüler Hausaufgaben auf, die er bis zum nächsten Treffen durch eigene Erkenntnis lösen soll. Dies dient Ismael dazu, die Illusion des Schülers und der Menschheit, er sei das endgültige Lebewesen, die Spitze der Evolution, einstürzen zu lassen.

 

März 2017

 

Der König in seinem Exil“ von Arno Geiger, vorgestellt von Peter Witton

 

Eine tiefgründige, charaktervolle und zeitlos gültige Auseinandersetzung mit dem, was jeden angeht: Alter und Krankheit, Heimat und Familie. Die wertvollste Lektüre des Frühjahres (2011) …. Eine Liebeserklärung an den Vater, vor allem aber ein großes Stück Literatur über das, was das Leben zu jedem Zeitpunkt lebenswert macht … (Felicitas von Lovenberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 4.2.11).

Die Kritiker sind voll des Lobes über dieses Buch des vielfach preisgekrönten österreichischen Schriftstellers Arno Geiger. Er beschreibt darin anrührend, klar und feinfühlig, an vielen Stellen auch heiter die Geschichte einer Liebe zwischen  einem an Alzheimer erkrankten Vaters und seinem Sohn. Diese tiefen Gefühle kommen bei diesem jedoch erst am Ende des väterlichen Lebens zum Tragen.

 

Plötzlich Gänsevater: Sieben Graugänse und die Entdeckung einer faszinierenden Welt“ von Michael Quetting, vorgestellt von Krystyna Hurec-Diaczyszyn

 

Die Beziehung zwischen Vater und Söhnen - nur ist der Autor Michael Quetting der „Vater“ von sieben frisch geschlüpften männlichen Gänsekindern, der seine „Söhne“ auf ihren Weg ins Leben begleitet. Michael Quetting ist Laborleiter und Pilot am Max-Planck-Institut in Radolfzell am Bodensee. Für ein wichtiges Forschungsprojekt soll er die Graugänse trainieren, damit sie ihm und seinem Ultraleichtflugzeug durch die Lüfte folgen. Die Entwicklung und Abenteuer dieser Kinderbande mit ganz individuellen Eigenheiten erzählt der Autor liebevoll und mit Humor; dabei erhält der Leser wertvolle und wissenswerte Informationen über das Leben und die Verhaltensweisen von Graugänsen.

 

Februar 2017

 

Deutschland - Erinnerungen einer Nation“ von Neil MacGregor, vorgestellt von Angela Degen-Madaus

 

Der internationale Bestseller nimmt In den Gesamtdarstellungen der Deutschen Geschichte den ersten Platz ein.

Der englische Autor Neil MacGregor, dessen „Geschichte der Welt in 100 Objekten“ ein historischer Bestseller geworden ist, nimmt den Leser in seinem neuen Buch mit auf eine Reise durch die deutsche Geschichte. Unterwegs lernt dieser Objekte aus rund 500 Jahren kennen, die von den - sehr unterschiedlichen - Erinnerungen einer Nation erzählen. Ob Gutenberg-Bibel oder Grimms Märchen, Eisernes Kreuz oder Bauhaus Design, Dürers Rhinozeros oder der VW-Käfer, die Krone Karls des Großen oder die Reichstagskuppel - dem Direktor (seit 2002) des Britischen Museums gelingt es, sie alle und ihre Geschichten zum Sprechen zu bringen in einem hinreißenden Buch über Deutschland, wie es noch nie eines gab.

Stimmt vergnüglich und macht schlau“ berichtete der Stern nach dem Erscheinen dieses Buches, das überaus reich und ungewöhnlich raumfüllend bebildert ist.

Neil MacGregor wurde 2015 mit dem Friedrich-Gundolf-Preis und dem deutschen Nationalpreis ausgezeichnet.

 

 

Mit einem Schlag alles anders“ von Thomas Baier, vorgestellt von Thomas Baier

 

Aus seiner ganz persönlichen Sicht stellt der Türmer von Kronach sein Buch vor. Baier erlitt 2004 einen Schlaganfall und dokumentierte die schwierige Zeit danach in seinem 2015 erschienenen Buch. Thematisiert werden darin in der Phase seiner Genesung die Wegbegleiter wie Hoffnung, Verzweiflung, Veränderung der Lebensqualität, Fragen nach dem Sinn des Geschehenen und Aufbruchsstimmung.

 

Januar 2017

 

Viva Warszawa: Polen für Fortgeschrittene“ von Steffen Möller, vorgestellt von Peter Steinhäußer

 

Gäbe es Warschau nicht, wäre ich nicht so lange in Polen geblieben …“. Der Schauspieler, Entertainer und Kabarettist Steffen Möller lebt seit 1994 in Warschau. Er ist der bekannteste und beliebteste Deutsche in Polen und hat mit seinem neuesten Buch wieder einen Bestseller geschaffen. Dieses spannende und interessante Buch über Europas meist unterschätzter Hauptstadt ist eine Mischung aus Anekdoten, vergnüglichen kleinen Geschichten und einem Kultur- und Reiseführer. Steffen Möller wurde für sein Wirken um die deutsch-polnische Verständigung u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

 

Himmel-Herrgott-Sakrament: Auftreten statt austreten“ von Rainer Maria Schießler, vorgestellt von Ingrid Steinhäußer.

 

Eine leere Kirche kann man nicht für voll nehmen“. Der überaus beliebte Münchner Stadtpfarrer schreibt offen in seinem Buch von der Notwendigkeit von Reformen und Veränderungen, die nicht von Kardinälen oder Bischöfen kommen sollten, sondern von den einzelnen Kirchengemeinden. Ungewöhnlich ehrlich und leidenschaftlich erzählt der Pfarrer, der zu Trauungen mit dem Motorrad vorfährt oder beim Oktoberfest bedient, von seiner Herkunft, seiner Glaubensprägung und der Leidenschaft für einen lebensbejahenden, christlichen Glauben.


Termine 2016

 

November 2016

 

Draußen nur Kännchen“ von Dr. Asfa-Wossen Asserate, vorgestellt von Jan Wolf

 

Draußen nur Kännchen - meine deutschen Fundstücke“ ist der vollständige Titel des Buches des Prinzen des äthiopischen Kaiserhauses. 1948 in Addis Abbeba geboren, bestand er an der Deutschen Schule als einer der ersten Äthiopier das Abitur. Er studierte Geschichte und Jura in Tübingen und Cambridge und promovierte in Frankfurt am Main. Die Revolution in Äthiopien verhinderte die Rückkehr in seine Heimat. Er blieb in Deutschland und ist heute als Unternehmerberater für Afrika und den Mittleren Osten und als politischer Analyst tätig. „Draußen nur Kännchen“ gibt einen bestens gelungenen Einblick in typisch deutsche Angewohnheiten und Gepflogenheiten mit Witz, Charme, Bildung und in einer wunderbaren Sprache geschrieben.

 

Die Frau, die Männer mochte“ von Petra Hammesfahr, vorgestellt von Krystyna Hurec-Diaczyszyn

 

Der erste Roman der Autorin ist nach 25 Jahren, um 100 Seiten erweitert, in neuer Auflage erschienen. Ihre Spannungsromane erobern die Bestsellerlisten, werden mit Preisen ausgezeichnet und erfolgreich verfilmt. Die Frau in ihrem Roman, die Männern Liebe, Zuwendung, Treue und Freundschaft gab, wurde dennoch so gehasst, dass sie umgebracht wurde. Der mit der Untersuchung des Todes beauftragte Kriminalhaupt-kommissar wird im Verlauf seiner Nachforschungen in einen Abgrund hineingezogen, verliert allmählich die Objektivität des Ermittlers und erkennt zu spät die Gefahr für sich selbst.

 

Oktober 2016

 

Halbschatten“ von Uwe Timm, vorgestellt von Alexander Süß

 

Marga von Etzdorf – eine Fliegerin und ihre Geschichte.

Bei einem ihrer spektakulären Langstreckenflüge lernt die junge Fliegerin Marga von Etzdorf einen deutschen Diplomaten kennen und verbringt eine ungewöhnliche Nacht mit ihm, nah und doch getrennt. Wenig später, im Mai 1933, erschießt sie sich in Aleppo, Syrien. Was ist geschehen?

Uwe Timms Erzähler wandert Jahrzehnte später über den Berliner Invalidenfriedhof, wo Marga von Etzdorfs Grab liegt, aber auch die von Scharnhorst und Heydrich. Er hört die Stimmen der Toten, forscht nach Margas, nach unserer Geschichte.

 

Black Out“ von Marc Elsberg, vorgestellt von Karol J. Hurec

 

Hochspannung durch Stromausfall! An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen Hackerangriff und versucht, die Behörden zu warnen – erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard ihm endlich zuhört, tauchen in Manzanos Computer dubiose Emails auf, die den Verdacht auf ihn selbst lenken. Er ist ins Visier eines Gegners geraten, der ebenso raffiniert wie gnadenlos ist. Unterdessen liegt ganz Europa im Dunkeln, und der Kampf ums Überleben beginnt …

 

September 2016

 

Die Legende von Centopia“von Gerhard Hahn, vorgestellt von Silke und Alexandra Wolf-Mertensmeyer

 

Das üppig mit Ornamenten und Elementen des Jugendstils versehene Bilderbuch ist das Lieblingsbuch der 6-jährigen Alexandra. Dem Buch vorausgegangen war die Filmserie „Mia and me“. Die 12-jährige Mia, elternlos in einem Internat lebend, gelangt mittels eines Codewortes in eine Phantasiewelt mit Elfen, Einhörnern und Feen; sie hilft erfolgreich mit im Kampf gegen Gut gegen Böse.

Die Geschichte vermittelt den Lesern in Wort und Bild die Wichtigkeit von Werten wie Freundschaft, Solidarität, Hilfsbereitschaft, Liebe und Vertrauen. Der Egmont-Verlag, der das Buch editierte, setzt sich in seiner Foundation zum Ziel, die sozialen und wirtschaftlichen Umstände von Kindern in der Welt zu verbessern.

 

Die Würde ist antastbar“ von Ferdinand von Schirach, vorgestellt von Angela E. Degen-Madaus

 

Das Buch ist eine Sammlung von Essays von Ferdinand von Schirach, dem Enkel des nationalsozialistischen Reichsjugendführers Baldur von Schirach. Der Autor, der als Rechtsanwalt in Berlin lebt und arbeitet, stellt in seinen Essays Gedanken über Gut und Böse, die ethischen und moralischen Fragestellungen in unserer Gesellschaft wie z.B. „Schuld ist das, was einem Menschen persönlich vorgeworfen werden kann“ oder „Oft ist es nur Zufall, der den Einzelnen zum Täter oder Opfer macht“, vor.

Seine Stories und Romane wurden Welterfolge, verfilmt und mit mehreren Literaturpreisen, auch internationalen, ausgezeichnet.

Der Essay über seinen Großvater „Du bist, wer du bist“ wurde dem interessierten Zuhörerkreis vorgelesen wie auch die Betrachtung „Reine Menschen - reine Luft“.

 

Juli 2016

 

Die Rückeroberung“ von Franz Hohler, vorgestellt von Andrea Partheymüller-Gerber

 

Die Erzählungen handeln von der Natur, die die großen Städte zurückerobert.

»Eines Tages, als ich an meinem Schreibtisch saß und zum Fenster hinausschaute, sah ich, dass sich auf der Fernsehantenne des gegenüberliegenden Hauses ein Adler niedergelassen hatte. Ich muss dazu sagen, dass ich in Zürich wohne.« Wenig später finden Passanten auf einem belebten Platz ein mächtiges Hirschgeweih. Tage darauf trabt schon ein ganzes Rudel Hirsche durch die Stadt, und jemand ist sich ganz sicher, einen Wolf gesehen zu haben. Die Natur beginnt eine Stadt zurückzugewinnen und macht aus deren Bewohner staunende Zuschauer. Nicht nur in dieser, auch in den anderen acht Erzählungen dieses Bands bekommt die glatte Oberfläche des Alltags tiefe Risse.

 

Falscher Hase“ von Ruth Reichl, vorgestellt von Krystyna Hurec-Diaczyszyn

 

Als Spionin bei den Spitzenköchen dieser Welt ist der Untertitel dieses amüsanten Buches. Das A und O für einen Gastro-Kritiker ist die Anonymität. Was aber, wenn sein Bild in jedem Restaurant der Stadt hängt und der rote Teppich ausgerollt wird, sobald der Kritiker auf der Test-Bildfläche erscheint? Food-Journalistin Ruth Reichl schlüpft dann in eine andere Rolle, um unerkannt bedient zu werden. Sie verkleidet sich als neureiches Provinz-Ei und wird daher in den nobelsten Restaurants missachtet, in denen sie zuvor als bekannte Testerin der New York Times verhätschelt wurde. Doch jede Tarnung fliegt irgendwann einmal auf, und dann muss schnellstens eine neue Maske her. Bizarr allerdings wird es, wenn Ruth Reichl ihre eigene Mutter spielt: Plötzlich verschwimmen Schein und Sein auf höchst vergnügliche, irritierende und erhellende Weise.