Aktuelle Ausstellung
HUBERT SOWA
„Kronach Corpus“
Säge und Fluss im Werk Lucas Cranachs d.Ä. und ihre Bedeutung heute.
Ein Dialog in Bildern.
20. September bis 25. Oktober 2026
Eröffnung | Sonntag | 20. September 2026 | 11 Uhr
Begrüßung: Sabine Raithel, KKV
Künstlertalk: Sabine Raithel im Gespräch mit Hubert Sowa
Musik: Hubert Sowa, Klavier und Gesang
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Donnerstag | 22. Oktober 2026 | 19 Uhr
Wir laden zu einem spannenden Vortrag von Dr. Reinhard Heinritz zum Thema „Cranach trifft Gegenwart. Wieviel Humanismus brauchen wir heute?“ ein.
Im Anschuss erwartet Sie eine anregende Diskussionsrunde u.a. mit Dr. Hubert Sowa, Kunstphilosoph und Künstler, Dr. Christian Lange, Theologe und Kommunalpolitiker und Dr. Reinhard Heinritz, Literaturwissenschaftler. Es moderiert Alexander Süß, Museologe und Cranach-Experte.
Zum Inhalt der Ausstellung
Es ist eine außergewöhnliche Ausstellung, die aktuell im Kronacher Kunstverein zu sehen ist. Eine Ausstellung mit philosophischem Tiefgang - geschaffen von einem Künstler, der auch Philosoph, Denker und Forschender ist. Der Titel der Werkschau „Kronach Corpus“ führt den Betrachter zurück zu Lucas Cranach dem Älteren, der 1472 in Kronach geboren wurde.
Cranach lebte in einer Epoche des Umbruchs. Die alte Ordnung wurde erschüttert. Der Buchdruck beschleunigte die Verbreitung von Wissen. Wissen bzw. Wissenschaft schaffen bis heute Fachgebiete und Untergebiete, Kategorien und Unterkategorien. Das ist notwendig. Ohne Unterscheidung gibt es keine Erkenntnis. Doch das Trennen, Unterscheiden, Analysieren und Klassifizieren hat nach Ansicht des Bamberger Künstlers und Kunstphilosophen Hubert Sowa auch seinen Preis: „Diese Zerlegung hat uns ungeheure Erkenntnisse ermöglicht. Doch je genauer wir die Teile sehen, desto leichter verlieren wir das Ganze aus dem Blick.“ Sowa geht sogar noch weiter und sieht den Menschen im Spannungsfeld zwischen Zerstörung und paradiesischer Fülle, Krieg und Frieden, Hilflosigkeit und Hoffnung. Diese Ambivalenz zwischen dem Zerteilen und dem großen Ganzen führt der Bamberger Künstler dem Besucher der Ausstellung in geradezu überwältigender Form mit seinem „Kronach Corpus“ vor Augen.
Dabei bezieht er sich zum einen auf das Werk „Das Martyrium des Hl. Simon", auch bekannt unter dem Titel „Die Säge“, einem um 1507 entstandenen Holzschnitt, der heute in der Bibliothèque nationale de France in Paris zu sehen ist, sowie auf „Das Goldene Zeitalter", eine um 1530 geschaffene Version eines beliebten Cranach-Motivs rund um den himmlischen Fluss, die sich im Nationalmuseum in Oslo befindet. Sowa spannt damit einen Bogen zwischen grausamer Säge und heilsamem Fluss – und spürt zugleich der Bedeutung von Cranachs Werk für die Welt von heute nach.
Hubert Sowa hat die Ausstellung für diesen Dialog in zwei Bereiche unterteilt: Im ersten, der sich auf den historischen Holzschnitt bezieht, begegnen dem Betrachter rund 1.800 Zeichnungen und Abbildungen. Ein Bilderwissen, über viele Jahre gesammelt, feinsinnig, manchmal doppeldeutig und mit hintersinnigem Humor in Schrift und Bild und beinahe enzyklopädisch geordnet. Es spiegelt die ganze Bandbreite menschlicher Vorstellungskraft.
Lucas Cranachs „Goldenes Zeitalter“, um 1530 entstanden, öffnet den Blick auf eine andere Möglichkeit des menschlichen Daseins. Das Bild eröffnet den zweiten Teil der Kronacher Werkschau. Hubert Sowas neue Flussbilder - mit großem handwerklichen Können in Öl auf Holz gemalt - füllen den Raum. Sie greifen das zentrale Motiv Cranachs vom Goldenen Zeitalter auf: den Paradiesfluss, der dem Betrachter aus dem Schoß der Erde entgegenströmt. Wasser als Ursprung allen Lebens, als Element des Genusses und der Gemeinschaft. Im Eintauchen in den Fluss begegnen sich himmlisches Licht und irdischer Grund.
Im dritten Teil der Ausstellung findet sich das Kernwerk des „Kronach Corpus“. Das Wissen ist in Buchform sortiert und geordnet. Zwischen den Bänden liegen Plexiglasscheiben mit eingebohrten Sternbildern: Gestapelt formt das Corpus einen kristallinen, vom Licht der Erkenntnis durchdrungenen Turm. Zugleich bleibt der darin verschlossene Bilderkosmos dem Blick entzogen. Das „Kronach Corpus“ von Hubert Sowa ist Körper, Sammlung und Wissensspeicher zugleich. Es bewahrt die Teile – und macht den Verlust des Ganzen spürbar. Es zeigt den Reichtum menschlicher Vorstellungskraft und zugleich die Ohnmacht gegenüber ihrer Fülle.
„Es ist Zeit, sich von der Säge abzuwenden und den Fluss endlich wieder zu genießen", so Hubert Sowa. Die Ausstellung lädt dazu ein, diesen Perspektivwechsel selbst zu erleben: von der schonungslosen Analyse zur befreienden Anschauung. Sie gewährt einen seltenen Einblick in das jahrzehntelang gewachsene, bislang unveröffentlichte Werk des bemerkenswerten Künstlers Hubert Sowa – und lädt dazu ein, Cranachs humanistisches Erbe neu zu entdecken.
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In der Werkschau zeigt Hubert Sowa erstmals die Handschriften seines „Kronach Corpus“ sowie neue Gemälde vom Paradiesfluss.

Hubert Sowa wurde 1954 in Bamberg geboren. Ab 1973 studierte er unter anderem an derBraunschweiger Hochschule für ildende Kunst und an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Sein künstlerisches und wissenschaftliches Schaffen bewegt sich zwischen Zeichnung, Malerei,Performance, Kunstphilosophie und praktischer Kunstlehre. 1986 führte er im Kunstverein Kronach die Malperformance „Das Jüngste Gericht“ auf. Damals fand seine künstlerische Praxis vor allem im Rahmen des Gruppenprojekts „Institut für Untersuchungen von Grenzzuständen ästhetischer Systeme (INFuG)“ statt. In den 1990er Jahren entstand das „Kronach Corpus“, das dem großen Kronacher Künstler und Humanisten Lucas Cranach gewidmet ist.



Grußwort von Markus Oesterlein, 3. Bürgermeister Stadt Kronach



















Montag | 5. Oktober 2026 | 18 Uhr
Der Bamberger Künstler und Kunstphilosoph, Prof. Dr. Hubert Sowa führt persönlich durch seine Ausstellung „Kronach Corpus“ im Kronacher Kunstverein.



